Vom Bürgerlokal zum Brauhaus

Die Geschichte vom „Goldenen Pflug“

Unser schönes Brauhaus steht als Gastronomie auf geschichtsträchtigem Boden. Hier lesen Sie die Chronik des „Goldenen Pflugs“ von 1937 bis 2021.

Theo und Wilhelm Wellstein bauten das Haus an der Olpener Str. 421 direkt mit Blick darauf, dass im Erdgeschoss ein Lokal eingerichtet werden konnte. Die Eingangstür zierte schon in den 1930er-Jahren ein Glasbild, auf dem ein goldener Pflug zu sehen war. Die Besitzer waren damals Pächter des Merheimer Fronhofes und wollten offenbar mit dem Sinnbild ausdrücken, dass eine gut geführte Landwirtschaft goldenen Boden hat. Noch heute erinnern wir ein Stück weit an diese Vergangenheit mit unserer Glasdecke im Restaurant.

1937 eröffnete Ewald Haase dann das Ausflugslokal „Goldener Pflug“, Nicht zuletzt wegen des nahe gelegenen Flughafens wurde es zu einer stadtbekannten, modernen Gaststätte im Rechtsrheinischen. Nach Kriegsende boten ihre Räumlichkeiten die einzige Möglichkeit, in Merheim Veranstaltungen wie Krippenspiele, Theateraufführungen, bunte Abende, Tanzveranstaltungen und Familienfeierlichkeiten durchzuführen.

Ein Ort für Kunst, Kultur und Geselligkeit

Nach der Währungsreform 1948 hatte sich die „Merheimer Bürgergesellschaft“ gegründet, die zu monatlichen Veranstaltungen im „Kasino – Goldener Pflug“ zusammenkam. Es hatten sich Menschen zusammengefunden, die vornehmlich das nach dem Krieg entstandene kulturelle Defizit abbauen wollten. Das Vorhaben wurde durch das Angebot an die Künstler erleichtert, die im zerstörten Köln und anderen Städten noch keine Beschäftigung fanden: Opernhäuser, Konzertsäle und viele Räumlichkeiten waren zerstört. Damit war es aber für die Merheimer Bürgergesellschaft möglich, namhafte Künstler für den „Pflug“ zu verpflichten.

Die Zeit der Sterne-Gastronomie

Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Vorläufer einer Eventgastronomie immer mehr zu einem „Bürgerlokal. An den Wochenenden wurde in gepflegter Atmosphäre zum Tanz aufgespielt. 1962 heiratet Ludwig Robertz die Wirtstochter Eleonore. Hier endete zunächst die Zeit der gutbürgerlichen Küche: Der „Goldene Pflug“ wurde zu einem Feinschmeckerlokal im französischen Stil. Der zum Spitzenkoch avancierte Herbert Schönberner heiratet die Tochter Renate Robertz und befördert das Feinschmeckerlokal schließlich zum „Gourmet-Tempel“. Aus einem Michelin-Stern wurden schnell zwei (1974). Als erster deutscher Gastronom erhielt Herbert Schönberner 1982 den begehrten 3. Stern. 1988, nach sechs Jahren in der absoluten Spitzenposition, „verglühte“ ein Stern. Als Tester 1993 auch Stern aberkennen wollten, ließ Ludwig Robertz das Haus ganz aus dem Michelin streichen.

In anderen Gastronomie-Führern wurde der „Goldene Pflug“ weiterhin mit höchsten Auszeichnungen bedacht. Als Ludwig Robertz schließlich 1993 starb, führte seine Frau Eleonore das Edelrestaurant weiter. 1997 verließ Schwiegersohn Herbert Schönberner das Haus. Da Frau Eleonore Robertz keinen Nachfolger fand, entschloss sie sich zur Schließung des Restaurants. Am 27. Oktober 2000 berichtet der Kölner-Stadtanzeiger: „Eines der letzten Kölner Ex-Sternerestaurants schließt am Montag seine Pforten. Der Goldene Pflug an der Olpener Straße in Merheim gibt nach 63 Jahren auf. Ein ruhmreiches Kapitel mehrfach ausgezeichneter Feinschmecker-Gastronomie vor den Toren Kölns ging damit zu Ende.“

Die Erfolgsgeschichte des Brauhauses beginnt

Doch knappe acht Monate später ging die Geschichte des „Goldenen Pflugs“ weiter. Am Samstag, dem 9. Juni 2001 berichtete der Kölner-Stadtanzeiger: „Goldener Pflug neu. Vom Spitzenrestaurant zur Kölschen Wirtschaft: Der Goldene Pflug wird zur Zeit von der Gaffel-Brauerei umgebaut, und zwar weitgehend so, wie er vor dem Krieg einmal war. Auf der Speisekarte sollen überwiegend heimische Spezialitäten stehen, und was das Schönste ist: Auf dem Gelände der alten Terrasse wird es wieder einen Biergarten geben“.

Nach umfangreicher Renovierung eröffnete am 23. August 2001 das „Brauhaus Goldener Pflug“ unter der Leitung von Wolfgang Niechziol seine Pforten. Merheim hatte seine gastronomische bürgerliche Heimat wieder.

Es waren die Gastronomie-Experten Marcel Herzet und Eugen Becher, die hier gemeinsam mit der Privatbrauerei Gaffel ein gemütliches Brauhaus mit kölscher Seele schufen. Seitdem wird mit viel Engagement und echtem „Hätz“ für das Wohlbefinden der Gäste gesorgt. Rund 15 Jahre prägten Wolfgang Niechziol und – ab 2007 – seine rechte Hand Christina Hanf die Erfolgsgeschichte. Seit dem Ausscheiden Niechziols 2017 ist Christina Hanf die prägende Gastgeberin unseres Brauhauses.